Stelle, Funktion, Rolle: Die Unterscheidungsmerkmale

Stelle, Funktion, Rolle – immer wieder kommt es bei Unternehmensberatungen und in Führungsseminaren zur Thematisierung dieser Begriffe und ihrer Unterscheidungsmerkmale. Unklarheiten bei diesen Begriffen führen zu großen Missverständnissen. Versuchen wir also, die Unterscheidungsmerkmale von Stelle, Funktion und Rolle zu benennen:

Stellen sind organisatorische Einheiten, die notwendig über die Merkmale Unterstellung/Überstellung, Ziele (Stellenziele), Aufgaben und Kompetenzen (Befugnisse) verfügen. Fehlt eines dieser Merkmale, kann von einer funktionsfähigen Stelle nicht mehr gesprochen werden. Stellen tragen Bezeichnungen wie “Sachbearbeiter Verwaltung”, “Betriebsleiter”, “Einrichter” usw. Falsch sind Bezeichnungen der Art “Buchhaltung”, “Stations­leitung”, “Reklamationsbearbeitung”.

Funktionen in Unternehmen/Organisationen sind immer an Stellen gebunden, sind aber selbst keine Stellen. Bei Funktionen handelt es sich um besondere, meistens zusätzliche Aufträge, die neben den bereits auf einer Stelle liegenden Merkmalen zu bedienen sind. So ist “Gleichstellungsbeauftragte”, “Sicherheitsbeauftragter” u.ä. dann Funktionen und keine Stellen, wenn etwa eine Sachbearbeiterin, ein Techniker oder wer auch immer neben den für die Stelle typischen Merkmalen noch einen entsprechenden zusätzlichen Auftrag erhalten hat. Dann finden sich in der betreffenden Stellenbeschreibung neben den stellentypischen Zielen auch Ziele einer Gleichstellungsbeauf­tragten, neben den stellentypischen Aufgaben und Befugnissen auch Aufgaben und Befugnisse einer Gleich­stellungsbeauftragten usw. Sind die Merkmale einer Gleichstellungsbeauftragten in einem Gesetz oder in einer Verordnung, in einer Verfahrensanweisung oder an anderer Stelle klar geregelt, so kann behelfsweise darauf verwiesen werden: “Die Stelleninhaberin hat die Funktion einer Gleichstellungsbeauftragten gemäß § …”. Sollten Funktionen der genannten Art tatsächlich hauptberuflich ausgeübt werden, etwa in der öffentlichen Verwaltung, werden sie zu Stellen.

Was aber ist eine “Rolle”? Es gibt die Rolle des Bösewichts, die des Dorfdeppen, aber auch die des informellen Führers, des Beschwerdeführers usw. Auf dem Theaterparkett hat jeder Schauspieler seine Rolle, und das heißt, dass er etwas zu verkörpern hat, meistens etwas Typisches. Und im Unternehmen/in der Organisation? Da fällt uns die Rolle des Vorgesetzten ein, aber auch die des Mitarbeiters, des Teammitglieds, des Prügelknaben, des Besserwissers, des Mahners, des Vermittlers usw. Eine Rolle ist ein Stereotyp, ein bestimmtes Verhaltensmuster. Eine Rolle ist also nicht dasselbe wie eine Stelle und auch nicht dasselbe wie eine Funktion. Einer Rolle entspricht ein Rollenver­ständnis: Wie definiert sich der Vorgesetzte als Vorgesetzter? Versteht er sich als “Chef”? Versteht er sich als “Coach” seiner Mitarbeiter? Versteht er sich gar als “Kollege” seiner Mitarbeiter? Will er der Steuermann sein, während seine Mitarbeiter rudern? Wie versteht er sich, seinen Auftrag? Als was versteht er sich? Und weshalb? – Die Antworten auf diese Fragen wären die Antwort auf die Frage: Was ist eigentlich eine “Rolle”?

Zur Kontrolle Ihres Verständnisses: Was ist ein Betriebsrat (Mitglied des Betriebsrates)? Ist das eine Stelle, ein Funktion oder eine Rolle? – Die Antwort müsste lauten: Es handelt sich um eine Funktion, also nicht um eine Stelle und auch nicht um eine Rolle.

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